Klimawandel, Grundwasserabsenkung, Insektenkalamitäten und Krankheiten
Die Faktoren, die negativ auf den Wald wirken sind komplex: So ist die Region Südhessen stark von Hitzeperioden und langen Trockenphasen betroffen. Hinzu kommt ein sinkender Grundwasserspiegel. Dies ist vor allem für die Vegetation auf den Sandböden um Darmstadt gravierend.
Die Folgen daraus: Die Bäume werden extrem geschwächt. Sie zeigen eine höhere Anfälligkeit für Krankheiten. Ganze Bestände sterben durch Wasserstress ab.
Im Westen Darmstadts ist das Schadbild besonders drastisch:
- abgestorbene Baumkronen
- großflächige Kahlstellen
- mehr Totholz
- Verjüngungsprobleme bei jungen Bäumen
- Flächenverwilderung durch Gras und Brombeere
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Kreisverband Darmstadt und Kreis Darmstadt-Dieburg setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, den Westwald bei Darmstadt und im Ried besser vor Wasserstress durch übermäßige Trinkwassergewinnung und Ausbeutung für landwirtschaftliche Beregnung zu schützen.
Detaillierte Informationen lesen Sie unter > Riedprojekt: Versorgung von Waldgebieten durch Grundwasseranschluss.
Vernünftiges Wassermanagement, das die Feuchtigkeit im Wald erhält und Maßnahmen zur Grundwasserstabilisierung berücksichtigt, schützt den Wald vor Wasserstress. Sehr deutlich wird dies in den sich Wäldern des Darmstädter Waldfriedhofs. Seitdem dort die Wasserentnahme beendet wurde, erwächst dort ein junger Wald, die Bodenverwilderung ist gestoppt und die Alteichen regenerieren sich.
Bei geschwächten Bäumen jedoch, haben Schädlinge leichtes Spiel. Besonders kritisch ist dabei, dass Schädlinge wie auch der Maikäferengerling die Klimaschäden massiv verstärken. Geschwächte Bäume sind außerdem für Pilzkrankheiten anfälliger.
Die ursprünglich stabilen Kiefer-Buchen-Winterlinden-Mischwälder und Eichen-Hainbuchenwälder sind infolge der Veränderung des Bodenwasserhaushalts verschwunden.
Es besteht wenig Hoffnung, dass die Waldstandorte ihre ursprüngliche Wasserversorgung einmal wieder gewährt bekommen. Daher müssen Sanierungskonzepte erprobt werden.
Um unsere Wälder stabiler und widerstandsfähiger neu auszurichten, bedarf es neuer Überlegungen und Maßnahmen. Mit welchen Baumarten dies gelingen kann, hat Stefan Lieven, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, in einem Vortrag erläutert. Lesen Sie eine Zusammenfassung in der Rubrik > Über Zukunftsbäume.
Flächenverbrauch, Zerschneidung & Verkehr
Schnellstraßen, Autobahn, Landstraßen – der Darmstädter Westwald beispielsweise ist nicht nur durch den Klimawandel, Schädlinge und Krankheiten gefährdet. Die Straßen, Siedlungen und Infrastruktur setzen dem natürlichen Lebensraum ebenso zu. Immer mehr Straßen und Baugebiete verbrauchen Flächen und zerschneiden die Lebensräume. Das erschwert die Wanderbewegungen insbesondere auch von Tieren. Flächenversieglung,
Lärm und Schadstoffe beeinträchtigen den Naturhaushalt gravierend.
Beispiel Straßenbahnausbau Cooperstraße – Renaturieren statt zerstören
Die in Darmstadt geplante Straßenbahnanbindung zerstört die Substanz des Klimaschutzwaldes mit Wirkung auf des Ludwigshöhviertel (LHV) und das Naturschutzgebiet Bessunger Kiesgrube. Darüber hinaus zerschneidet die Planstraße A die letzte Verbindungsfläche zwischen dem Darmstädter Westwald und dem Ostwald. Gemeinsam mit weiteren Naturschützenden Initiativen setzt sich die SDW für eine Lösung ein, die nur minimal in das Landschaftsschutzgenbiet eingreift. Umfangreiche Informationen hierzu gibt es unter den Stellungnahmen > Ludwigshöhviertel, Cooperstraße und Planstraße A.
Nutzungsdruck durch Menschen
Spaziergänge, Radtouren, ausgedehnte Gassi-Runden mit Hunden: Wälder bieten uns Menschen Erholung. Daher sind sie jedoch stark frequentiert: Das führt jedoch zur Verdichtung von Böden, vor allem, wenn Pfade abseits der vom Forst vorgesehenen Wege genutzt werden. Trittschäden und Müll sind ein weiteres Problem. Außerdem werden die Wildtiere gestört. In sehr trockenen Wetterphasen steigt zudem das Waldbrandrisiko.
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald engagiert sich, um Menschen für die Gefahren, die den Wald belasten, zu sensibilisieren. Die waldpädagogischen Angebote orientieren sich an der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Sie fördern das Verständnis für Umweltprobleme und bieten konkrete Handlungsansätze. BNE ermutigt dazu, aktiv Lösungen zu entwickeln und umzusetzen, wie zum Beispiel durch den sparsamen Umgang mit Ressourcen oder die Förderung von Klimaschutzmaßnahmen.

